Wie ich bei Fefe lesen muß, wurde der Artikel über den Vereins Missbrauchsopfer gegen Internetsperren (MOGiS) in der Wikipedia nach einer längeren Forumsdiskussion gelöscht. Ich schätze die Wikipedia, wie sicher viele andere auch, sehr und ich will das ehrenamtliche Engagement der Macher nicht schmälern. Ich kenne den gelöschten Eintrag nicht, auch habe ich den Diskussionstreath nicht komplett gelesen, habe aber beim Querlesen irgendwie den Eindruck einer haarspalterischen und kleinkrämerischen Diskussion gewonnen. Es geht um Relevanz des Eintrags, Medienpräzens des Vereins, nicht belegte Mitgliederzahlen und anderes mehr.
Ich kenne MOGiS auch nur aus dem Zusammenhang mit der Zensursula Debatte um Internetsperren. Da fand ich sie sehr präsent. So muss ich sagen, das mich diese Entscheidung den Eintrag zu löschen doch etwas befremdet. Genau so, wie es mich befremdet, das ausgerechnet über die Relevanz eines Vereins von Missbrauchsopfern in der Wikipedia diskutiert wird, während Beiträge von z. B. Eisenbahnfreunden demnach eine höhere Relevanz haben sollen, bzw. deren Relevanz nicht diskussionswürdig zu sein scheint. Der Eisenbahnfreunde-Eintrag ist nur ein Beispiel, es gibt mit Sicherheit endlos viele Beiträge, deren Relevanz genauso diskutieren könnte. Es bleibt ein faler Nachgeschmack, als ob irgend jemand aus persönlicher “unangenehmen Berührtheit” (mir fällt keine bessere Umschreibung ein) die Löschdiskussion angestossen und der zuständige Admin womöglich aus selben Grund gelöscht hat.
via: Fefes Blog
org: Wikipedia: Löschdiskussion
UPDATE 17.10.2009:
Auf Telepolis ist heute ein Artikel zum Thema erschienen, der sich mit den Löschregeln der deutschen Wikipedia thematisiert (welche von denen aus anderen Länder abweichen sollen) und auch meinen oben geschilderten Eindruck bestätigt:
Die gesamte Debatte, die man gut bei Wikipedia nachlesen kann, zeigt einmal öfter, wie hier Borniertheit, Paragraphenreiterei und die Idee, man könne Relevanz durch Mehrheitsentscheidungen beurteilen, Hand in Hand gehen mit der Möglichkeit, aus einer umfassenden Enzyklopädie, einer Wissensdatenbank, eine Datenbank zu machen, die lediglich das wiedergibt, was quasi per Mehrheitsentscheid oder Einzelentscheid als Wissen angesehen wird.
org: telepolis
UPDATE 18.10.2009:
Fefe hat noch zweimal! nachgelegt und die Vorgehennsweise der Wikipedia-Blockwarte, wie er sie nennt, weiter kommentiert und das sehr gur, wie ich finde. Hier mal nur zwei Zitate:
Mein Anspruch an die Wikipedia ist, dass ich, wenn mir jemand von Tschunk erzählt, bei der Wikipedia nachschlagen kann, was das eigentlich ist. [...] Ich bin da hauptsächlich deshalb so sauer, weil die da den Traum des freien Weltwissens mit Füßen treten, mit dem sie jahrelang die Herzen der Nerds gewonnen haben.
org: Fefes Blog
Und aus dem zweiten Artikel:
Das Relevanzkriterium bezieht sich nicht darauf, ob ihr oder irgendjemand einen bestimmten Begriff für relevant haltet. Sondern ob der Text, der da zu dem Begriff steht, relevant für die Erklärung des Begriffes ist.Denn das ist das schöne bei einem Wiki.
Niemand erleidet einen Schaden, wenn noch ein weiterer Eintrag dabei ist. Es gibt kein Buch, was dann zu dick zum Herumtragen würde.
org: Fefes Blog
Sehr treffend, wie ich finde. Kann man nur hoffen, das die Macher sich mal darauf besinnen.
UPDATE Ende




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