Land auf, Land ab und das weltweit, gibt es seit Jahrzehnten den Trend Allgemeingut zu privatisieren. Ob im regionalen (Krankenhäuser, Stadtwerke etc.), nationalem (Post, Telekommunikation, Bahn, Energie- und Trinkwasserversorgung etc.) oder globalem (Patente auf Saatgut, Patente auf Medikamente etc.) Rahmen. Der Ausverkauf von ehemals staatshoheitlichen Diensten und vor allem von der Existenzsicherung des menschlichen Lebens dienenden Aufgaben erfolgt immer mehr zu Gunsten nach Profit strebender Großkonzerne, deren erstes Ziel nicht das Wohl aller, sondern allein der kurzsichtige Gewinn weniger Profiteure ist. Dies hat zur Folge, das das Wohl aller und die Bewahrung der Erde dem kurzfristigen finanziellen Gewinn weniger geopfert wird.
Um dieser Entwicklung etwas entgegen zu setzen, ist auf dem 9. Weltsozialforums, das im Januar 2009 in Bélem do Para in Brasilien statt fand, das Manifest “Aufruf zur Wiedergewinnung der Gemeingüter” entstanden und die Kampagne zu Wiedergewinnung der Gemeingüter ins Leben gerufen worden. Begleitend dazu gibt es eine Internetseite, auf der man das Manifest mehrsprachig nachlesen und mit unterzeichnen kann. Die Initiatoren schreiben über sich:
Wir verstehen dies als Beginn einer breiten Kampagne für den Schutz, die Wiedergewinnung und die Schaffung von Gemeingütern. Die Seite dient zudem der öffentlichen Diskussion über das Thema. Sie soll zum Nachdenken anregen und eine Plattform der Begegnung und des Austauschs von Initiativen und Ideen über die Zukunft der Gemeingüter bieten.
Leider ist der Blog zur Kampagne mit aktuellen Infos´s und Nachrichten nicht mehrsprachig und nur in französisch verfügbar.
Die Privatisierung und warenförmige Zurichtung der Dinge, die das Leben der Menschen und den Erhalt des Planeten ermöglichen, ist machtvoller denn je. Nach der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen und der menschlichen Arbeit, hat sich dieser Prozess auf das Wissen, die Kulturen, Gesundheit, Bildung und Kommunikation, auf das genetische Erbe, das Leben und das, was aus ihm hervor geht ausgeweitet.
…
Die Unterzeichner dieses auf dem Weltsozialforum 2009 vorgestellten Manifests rufen alle Bürger der Welt und ihre Organisationen dazu auf, den Begriff der Gemeingüter zu vertiefen, ihre Zugänge zu den Gemeingütern der Menschheit und des Planeten und ihre Erfahrungen für deren Entprivatisierung und Herausnahme aus der marktwirtschaftlichen Verwertung miteinander auszutauschen sowie die Kämpfe ihrer Organisationen miteinander zu verbinden, um gegenseitig Kampagnen und Initiativen zu stärken.
Den kompletten Wortlaut gibt es hier. Das Manifest kann hier unterzeichnet werden. Die Unterschriften dienen der Unterstützung des Konzeptes der Gemeingüter im weiteren politischen Diskurs.
via: netzpolitik.org
org: bienscommuns.org
Privat (von lat. privatus, PPP von privare, „absondern, rauben“, privatum, „das Eigene“ und privus, „für sich bestehend“) bezeichnet Gegenstände, Bereiche und Angelegenheiten, die nicht mehr der Allgemeinheit gehören bzw. offenstehen, sondern nur einer einzelnen Person oder einer eingegrenzten Gruppe von Personen, die untereinander in einem intimen bzw. einem Vertrauensverhältnis stehen.[1]
Der Artikel lag schon etwas länger in meinen Entwürfen und kam mir wieder in den Sinn, als ich im Fernsehen einen Dokumentation über den Pflegenotstand in den deutschen Krankenhäusern gesehen habe (“Die Krankenfabrik: Patienten in Not, Schwestern am Limit“, NDR, Dienstag, 07. Juli 2009 21:45). Vielleicht ist der nicht alleine auf die Privatisierung von Kliniken zurückzuführen. Jedoch ist es eine Tatsache, das immer mehr Kliniken von Aktiengesellschaften übernommen werden. Für mich widerspricht es jedoch dem gesunden Menschenverstand, wenn auf der einen Seite Gewinne für Aktionäre maximiert werden müssen und auf der anderen Seite kranke Menschen Pflege und Zuwendung brauchen, welche Zeit und damit Geld kostet. Ich war ziemlich schockiert zu sehen, wie eine Schwester den Telefondienst der Station mit einem Mobiltelefon erledigte, während sie direkt am Patienten arbeitete, der eigentlich ihre ganze Zuwendung und Zuspruch in seiner Situation braucht. Sowohl für die Schwester, wie für den Patienten, als auch für unsere Wohlstandsgesellschaft ein absolut unwürdiger Zustand.



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